ARCHIV FÜR AUTOBAHN- UND STRASSENGESCHICHTE

Asphalt, Beton & Stein | Brücken & Tunnel

BAB A72: Eine der größten Steinbrücken: Die Brücke über die Weiße Elster bei Pirk

Teil 1

Die ehemalige Strecke 84, heute Bundesautobahn 72 von Chemnitz bis zum Anschluss an die BAB 9 im Dreieck Bayerisches Vogtland, verläuft im Wesentlichen in Nordost-Südwest-Richtung. Sie durchquert dabei das Vogtland, ein zu den Mittelgebirgen zählendes Gebiet zwischen Erzgebirge und Thüringer Wald. Dabei sind eine Vielzahl von Flusstälern, die das Vogtland durchschneiden, mit teilweise sehr hohen Bauwerken zu überbrücken.

Das im Zuge der Bundesautobahn größte Bauwerk ist die Brücke über die Weiße Elster bei der Ortschaft Pirk, südlich der Industriestadt Plauen.

Der Bau wurde 1938 begonnen und ging, wie den Daten der nachfolgenden Bilder entnommen werden kann, anfangs zügig voran. 1939 waren 450 Arbeitskräfte auf der Baustelle beschäftigt. Der Bedeutung des Baues entsprechend, sollte diese Anzahl bis auf 700 aufgestockt werden.

Der Bauboom hielt jedoch nur bis Anfang 1940 an: Wegen des vom Zaune gebrochenen Krieges wurde die Baustelle stillgelegt, um Arbeitskräfte und maschinelle Ressourcen der Kriegswirtschaft zur Verfügung stellen zu können.

Die Bauunterbrechung dauerte bis zum Juni 1991. Im Zuge der Vollendung der Bundesautobahn 72 nach Wiederherstellung der deutschen Einheit wurde der Zustand des unvollendeten Bauwerks geprüft. In seinem Gutachten kam Professor Josef Scheidler zu dem Schluss, dass der Erhaltungsgrad einen Weiterbau bis zur Vollendung der Brücke erlaubt.

Das Steinlager war noch in dem Zustand vorhanden, wie es bei Einstellung des Baues verlassen worden war. Das hatte seine Ursache in erster Linie darin, dass das Lagergelände zum Grenzgebiet zwischen der DDR und der Bunderepublik gehörte und infolge dessen "in Vergessenheit" geriet.

Es ist ein Glücksfall, Aufnahmen eines Fotoalbums digitalisieren und für die nachfolgende Präsentation aufbereiten zu dürfen. Vom Vater der Tochter während ihres Bauingenieurstudiums zum Geschenk gemacht, stellt dieses Album heute ein wertvolles, seltenes Dokument dar. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an Frau Janette Klee für Ihr Entgegenkommen.

Diese Widmung steht am Beginn des Fotoalbums,
welches freundlicherweise von Frau Klee zur Verfügung gestellt wurde.

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Blick über das Tal der Weißen Elster vor dem Beginn der Bauarbeiten. Am Hang rechts im Bild ist bereits das Autobahnlager zur Unterbringung der Bauarbeiter, die nicht in Privatquartieren der Umgebung untergebracht sind, errichtet. Die eingezeichnete gestrichelte Linie skizziert den künftigen Brückenverlauf.
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Der erste Pfeiler ist im Bau. Die ihn umfassende Gleitrüstung kletterte mit dem wachsenden Pfeiler aufwärts.
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Der Bau der Pfeiler erfolgte von der Hofer Seite aus. Von der Seite Hof zur Seite Plauen wurden ebenfalls die Gewölbebögen errichtet.
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Das Steinlager für die Elstertalbrücke. Die Blöcke sind entsprechend des Verlegeplans zugerichtet.
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Blick auf die Brückenbaustelle von West nach Ost: Im Vordergrund windet sich die Weiße Elster durch die Wiese. Am Berghang im Hintergrund das Gerüst für das Plauener Widerlager.
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Die Baustelle in ihrer ganzen Ausdehnung.
Rechts das Widerlager der Hofer, links das der Plauener Seite.
Als kleiner Wiesenbach kommt die Weiße Elster dem Fotografen entgegen.
Die Unmenge an einbaufertigen Steinen für die Pfeiler und Brückenbögen wartet auf ihren Einbau.
Der größte Teil wird noch über 50 Jahre warten müssen.

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Blick gegen die Nordseite der Baustelle mit dem Plauener Widerlager.
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Ist dies nicht ein ästhetischer Anblick?
Drei der 11 Pfeiler, der mittlere hat fast seine endgültige Höhe erreicht.

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Schrifttum
Quelle: Hafen, P. "Das Schrifttum über die deutschen Autobahnen",
Ferdinand Dümmlers Verlag, 1956

Kap. 263 68, S. 319
*** Die größte Steinbrücke der Welt
Bauamt und Gemeindebau 19 (1937) H. 11, S. A 80 (⅛ S.)
Inhalt: Die RAB-Brücke über das Elstertal im Vogtland im Zuge der Strecke Chemnitz - Plauen - Naila wird die größte Steinbrücke der Welt sein.

Kap. 263 75, S. 319
Peuker, O.: Der Bau einer Reichsautobahn-Talbrücke
Bautechnik 19 (1941) H. 15, S. 154-159 (6½ S., 20 Abb.) und Auszug in
Zeitschrift des Vereins Deutscher Ingenieure 85 (1941) H. 37/38, S. 777-778 (1¼ S., 4 Abb.)
Inhalt: Die Elstertalbrücke im Vogtland überquert mit 12 Stein-(Granit-)-gewölben von 33 m lichter Weite 38,5 m Pfeilerabstand in 60 m Höhe das 500 m breite Tal. Die Gesamtlänge einschließlich Widerlager beträgt 635 m. Die Gewölbe haben eine Scheitelstärke von 0,70 m, eine Kämpferstärke von 1,40 m. Die Stärke der Pfeiler am Gewölbeansatz beträgt 5 m. Sämtliche Ansichtsflächen der Brücke wurden mit Hausteinen verkleidet, die tragenden Gewölbe in voller Stärke aus bearbeiteten Quadern hergestellt. Verwendung findet gelblicher und bläulicher Granit. Der Kern der Pfeiler besteht aus Beton mit 270 kg/cbm Zement. Die Gewölbebreite beträgt von außen zu außen 18,28 m. Die zu leistenden Massen sind:

Beton für Grundmauern 15 000 m³
Beton und Mauerwerk der Pfeiler, der Endbauwerke und der Gewölbeaufbauten 95 000 m³
Gewölbe- und Quaderbekleidung 20 000 m³
Gesamt 130 000 m³
Aushub für die Gründungen (wovon ¾ Fels) = 24 000 m³. Gründung auf gesundem Fels. Die Baustelleneinrichtung dieser großen Brücke, die Rüstung und vor allem die Lehrgerüste, ferner die gestaffelte Wölbung zur Einsparung von Lehrgerüsten verdienen besondere Bedeutung.

R. Arndt, Jüterbog
Weitere Ansichten vom Baugeschehen an der Elstertalbrücke bei Pirk